Häufigste Krankheitsarten – psychische Krankheiten an 3. Stelle

So der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) in einer Pressemitteilung vom 13.08.2012. Danach stehen erstmals psychische Erkrankungen mit 13,2% aller Krankentage an dritter Stelle aller Erkrankungen. Lag der Anteil 1976 bei allen Versicherten noch bei 2 %, nimmt er nun mit 13,2 % die drittgrößte Gruppe aller Erkrankungen ein. Der BKK weist auf einen deutlichen Anstieg bei Männern um 20% gegenüber dem Vorjahreszeitraum hin. Psychische Erkrankungen haben eine deutlich längere Dauer als andere Krankheitsfälle. Betrug 2011 die Dauer eines Krankheitsfalles durchschnittlich 13 Tage, so lag bei psychischen Erkrankungen die Erkrankungsdauer bei 37 Tagen.

Soweit der BKK. Dies sind bedeutsame Zahlen. Volkswirtschaftlich gesehen sind diese durch Krankheit bedingten Ausfallzeiten teuer. Für den betroffenen Menschen bedeuten sie persönliches Schicksal mit z. T. erheblichen Einschränkungen und Belastungen.

In den letzten Monaten und Jahren ist von der Presse immer wieder auf zunehmende Fallzahlen psychischer Erkrankungen hingewiesen worden. Thematisch sind Begriffe wie Depression und Burnout in den Mittelpunkt des Interesses gerückt.

Offenbar nimmt die Belastung in der Arbeitswelt und speziell am Arbeitsplatz erheblich zu.  Dabei erfassen die Zahlen des BKK lediglich berufstätige Menschen, die krankheitsbedingt am Arbeitsplatz fehlen. Arbeitslose und ältere, nicht mehr erwerbstätige Menschen sind mit den Zahlen der BKK nicht erfasst, aber auch hier dürfte der Anteil psychisch Erkrankter beträchtlich sein.

Für eine Zunahme psychischer Erkrankungen gibt es mannigfache Auslöser: zunehmende Belastungen am Arbeitsplatz, Arbeitsplatzunsicherheit und weitere, eng mit dem Arbeitsplatz zusammenhängende Gründe. Auch ist ein allgemeiner Verlust der Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu verzeichnen

Neben der Arbeitswelt spielen andere soziale Bereiche, so z.B. das private soziale Umfeld eine Rolle bei der Entstehung psychischer Erkrankungen. Allgemeine Verunsicherung in einer sich ändernden Welt, Werteverfall, Vereinsamung und Krankheit insbesondere im Alter sind unbestreitbar Beispiele weiterer Risikofaktoren für psychische Erkrankungen.

Aber auch andere Faktoren dürften für den Anstieg psychischer Erkrankungen eine Rolle spielen, dazu gehören u.a. eine gesteigerte Bereitschaft, sich eher mit Befindlich­keitsstörungen zu „outen“ und in Behandlung zu begeben. Die in den letzten Jahren deutlich verbesserten Diagnosemöglichkeiten von psychischen und neurologischen Erkrankungen spielen für die zahlenmäßige Erfassung psychischer Erkrankungen ebenso eine Rolle.

Gleichwohl: Der Behandlungsbedarf psychischer Erkrankungen hat erheblich zugenommen. Die Möglichkeiten einer zügigen Behandlung – bereits früher problematisch – haben sich in den letzten Monaten und Jahren nicht verbessert. Im Gegenteil: Die überlangen Wartezeiten in psychotherapeutischen Praxen auch für dringend behandlungsbedürftige psychisch Erkrankte sprechen eine eindeutige Sprache.