Therapeutische Interventionen als Kurztherapie

Als Heilpraktiker für Psychotherapie wende ich in meiner Praxis auch Kurzzeittherapien an. Kurzzeittherapien oder auch Kurztherapien, auf die ich mich beziehe, werden u. a. von Paul Watzlawick und Giorgio Nardone[1] sowie Steve de Shazer[2] beschrieben. Ich beziehe mich in meiner Tätigkeit insbesondere auf therapeutische Ansätze nach de Shazer. Er beschreibt therapeutische Interventionen als Kurztherapie.

Lösungsorientierte Kurztherapien haben das Ziel, in kleinen Schritten und in einem zeitlich begrenzten Rahmen zu einer Lösung von Problemen zu gelangen. Auch sie sind immer “Therapie im geschützten Raum“.
Die lösungsorientierte Kurzzeittherapie ist Anfang der 80er Jahre von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg vorgestellt worden.
 

Sie haben ihren Schwerpunkt weniger in der Prroblemorientierung, sondern sie sind suchend und erkundend nach Lösungen auf der Basis bereits bewährter Strategien. Es sollen möglichst kurzfristig durch kleine Schritte positive Veränderungen erreicht werden.

Dieser Therapieansatz hat sich in den letzten Jahren übrigens auf die Pädagogik, die Seelsorge und weitere gesellschaftliche Bereiche verbreitet. Von mir eingesetzte lösungsorientierte Kurztherapien enthalten in der Regel auch verhaltensorientierte und weitere Ansätze. Damit handelt es sich immer um individuelle, auf die Bedürfnisse meiner Patienten zugeschnittene  Therapien.

Unter den Grundprinzipien –

  • repariere nichts, was nicht kaputt ist
  • wenn etwas funktioniert, mach mehr davon
  • wenn etwas nicht funktioniert, hör auf damit
  • mach Dir Gedanken über Deine Gedanken

werden kleine positive Schritte besprochen und zur Veränderung komplexer Situationen eingesetzt. Dabei geht es vordergründig nicht um die Klärung eines Problems. Vielmehr soll ergründet werden, was früher gut gelungen ist, um dies als Chance für Gegenwart und Zukunft zu nutzen. Es geht in dieser Therapie im geschützten Raum darum, Kraftquellen und Ressourcen zu erschließen und diese offen und neugierig einzusetzen.

 

Die von mir eingesetzten Kurzzeittherapien sind mit kurzen therapeutischen Interventionen lösungsorientiert angelegt. Ihr Ziel ist es, das vom Patienten dargestellte Problem zu lösen und krankheitsbedinge Symptome zu beseitigen.

  • Therapeutische Interventionen als Kurztherapie bzw. Kurzzeittherapie können in kürzerer Zeit als klassische Psychotherapien durchgeführt werden. Ihr zeitlicher Rahmen umfasst in der Regel nicht mehr als 10-15 Sitzungen.
  • Analyse und Ursachenforschung stehen nicht im Mittelpunkt von Kurzzeittherapien. Lösungsorientierung mit Problembeseitigung bilden den Fokus therapeutischer Bemühungen.
  • Dabei verstehe ich diesen Ansatz keinesfalls als eine oberflächliche Symptomtherapie. Ziel einer Kurzzeittherapie ist es, durch Umdeutung und Bearbeitung von Wirklichkeitswahrnehmungen eine dauerhafte Verhaltensänderung beim Patienten hervorzubringen. Dies erfordert ein Durchbrechen von Wechselwirkungen zwischen dem Patienten und seiner Wahrnehmung.
  • Von der ersten Begegnung an konzentriert sich der Therapeut auf das Problem des Patienten unter dem Aspekt einer Lösungsorientierung. Ein Rückgriff auf die Vergangenheit erfolgt lediglich mit dem Ziel eines besseren Verständnisses für gegenwärtige Probleme. Auf dieser Basis werden effiziente Lösungsstrategien entwickelt und umgesetzt.
  • Orientierung am Ziel wird mit dem pädagogischen Vehikel der Wunderfrage[3] ermöglicht. Der Kern der Frage lautet: Was wäre, wenn das Problem über Nacht verschwände? Woran würde man es merken, woran würden es andere, nahestehende Menschen merken? Mit dieser Frage sollen Situationen aufgespürt werden, in denen das Problem eine geringere oder gar keine Rolle gespielt hat. Und genau diese Situationen werden hinterfragt, analysiert und therapeutisch genutzt. Hier offenbaren sich Ressourcen, die helfen, das Problem zu lösen.
  • Aufgabe des Therapeuten ist es, gemeinsam mit dem Patienten diese Ressourcen zu aktivieren, sie weiter zu entwickeln und zu verstärken. Methodisch setze ich dabei auch Inhalte klassischer Therapieformen ein.
  • Therapeutische Interventionen als Kurztherapie werden in kleinen Sequenzen angestrebt. In der Praxis wird immer wieder deutlich, dass objektiv kleine Schritte durchaus große Veränderungen bewirken können.

    Lotusknospe als Prädiktor für Kurztherapie, therapeutische Interventionen als Kurztherapie

    Therapeutische Interventionen als Kurztherapie

Kurzzeittherapien, so wie ich sie anwende, können keiner einheitlichen Schule oder Richtung zugeordnet werden. Sie sind immer individualisierte, lösungsorientierte Therapien. Sie werden  häufig durch weitere, sorgfältig abgestimmte Inhalte anderer Therapieformen ergänzt werden.

Arolt, Reimer, Dilling[4] beschreiben Kurzpsychotherapien als Therapien mit einer Dauer von wenigen bis ca. 25 Sitzungen. Sie sehen die Arbeit beschränkt auf einen für den Patienten besonders relevanten Hauptkonflikt. Indiziert sei dies Verfahren vor allem für Patienten nach Abklingen akuter Krisen. Oder für Patienten mit umschriebenen aktuellen Konflikten, die eine relativ rasche psychotherapeutische Hilfe benötigen. Es sind auch therapeutische Möglichkeiten für Patienten, die längere Therapien ablehnen, aus welchen Gründen auch immer.

Kurzzeittherapien haben in den letzten Jahren zwar erheblich an Bedeutung gewonnen. Sie werden aber häufig immer noch in Bezug auf  Tiefe und andauernder Effizienz gegenüber den klassischen Langzeittherapien zu Unrecht als nachrangig angesehen. Dies spiegeln auch Akzeptanz und Zulassung durch die gesetzlichen Krankenkassen wider: Verfahren wie Psychoanalyse und Verhaltenstherapien werden akzeptiert und zugelassen, Kurzzeittherapien habe ich bisher nicht im Angebot gesetzlicher Krankenkassen finden können.

Ich sehe im Einsatz von Kurzzeittherapien in meiner Praxis viele positive Aspekte, insbesondere schätze ich, dass

  • Veränderungen kurzfristig möglich werden,
  • alle Beteiligten von positiven Veränderungen ausgehen und diese in kleinen Schritten angestrebt werden,
  • keine umfangreiche Analyse erforderlich ist,
  • anstelle dieser aktives Handeln im Vordergrund steht
  • jede Situation als spezielle gesehen wird und ihr keine „allgemeingültige“ Therapie übergestülpt wird.

Man kann durchaus sagen, dass sich Kurztherapien weitgehend etabliert haben. Mir ist diese Therapieform auch in abgewandelter Form als pädagogisches Konstrukt seit langem gut bekannt. Ich setze sie neben Beratung und Coaching gern in meiner Praxisarbeit ein.

 


[1]Watzlaick, P. u. Nardone, G.: Kurzzeittherapie und Wirklichkeit, München 1999,

[2] De Shazer, St.: Wege der erfolgreichen Kurztherapie, Stuttgart 1991

[3] Berg, I. K. u. Miller, S. D.: Kurzzeittherapie. Ein lösungsorientierter Ansatz. Heidelberg 1993

[4] Arolt, Reimer, Dilling: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie, Heidelberg, 2007