Qigong

 Qigong, eine alte chinesische Heilmethode. Eine Vorstellung:

Qigong gründet sich auf einer alten chinesischen Medizinkultur
Alten Überlieferungen zufolge liegen die Wurzeln des Qigong in einer Jahrtausende alten Tradition. So wird aus dem Beginn dieser Zeit über eine nicht enden wollende Schlechtwetterperiode berichtet, die das Leben der Menschen sehr beeinträchtigte. Es regnete ununterbrochen und lange Zeit konnte kein Sonnenstrahl die dichte Wolkendecke durchdringen. Ständiger Regen sorgte für andauerndes feuchtes, nasskaltes Wetter. Flüsse traten über ihre Ufer und es kam zu Überschwemmungen. Kurzum, diese lang andauernde Schlechtwetterperiode belastete die Menschen stark. Sie fühlten sich lustlos und ohne Elan, die Stimmung war gedrückt und viele von ihnen zeigten depressive Symptome. Zusätzlich traten körperliche Beschwerden auf wie Störungen des Bewegungsapparates, die sich durch Gliedersteifheit, Schmerzen und Gelenkbeschwerden äußerten. Diese eingeschränkten und gestörten Befindlichkeiten wurden zu Recht auf auf das trübe, nasse Wetter und den fehlenden Sonnenschein zurückgeführt. Weise Männer hatten keinen Rat zur Verbesserung dieser misslichen und belastenden Gegebenheiten. Heilkundige traten auf den Plan und rieten den Menschen, dieses trübe und bedrückende Dasein durch gezielte körperliche Bewegungsübungen aufzulockern. Diese Bewegungsübungen erwiesen sich als stimmungsaufhellend und gesundheitsfördernd, insbesondere da sie durch bestimmte Atemtechniken und Geisteshaltungen ergänzt wurden. Diese Übungen wurden von den Menschen als sehr hilfreich erlebt, konnten doch mit ihnen Körperfunktionen und auch die psychische Verfassung deutlich verbessert werden. In alten Überlieferungen fanden sich Anleitungen  zu diesen gezielten Übungen; zu Recht kann dies als die Geburtsstunde des Qigong als Methode zur Erhaltung, Pflege und Wiederherstellung der Gesundheit angesehen werden. Eine exemplarische Qigong-Übung stellt die Lotus-Kranichübung dar:

Lotus-Kranich-Übung.

Auf der Basis dieser alten Überlieferungen haben sich im Lauf von über dreitausend Jahren Methoden zur Heilung, Pflege und Erhaltung von Gesundheit weiterentwickelt. Die Heilverfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind verbunden mit philosophischen Strömungen wie dem Daoismus, dem Konfuzianismus und dem Buddhismus. Mit ihren beiden sich ergänzenden Gegenkräften Yin und Yang sind sie in das Konzept  der “Traditionellen Chinesischen Medizin” (TCM) eingeflossen. Dabei geht die traditionelle chinesische Medizin davon aus, dass Krankheit immer Folge eines Ungleichgewichts zwischen Yin und Yang ist und dadurch Störungen im emotionalen und geistigen Körper entstehen. Traditionelle Chinesische Medizin gründet sich also auf philosophischen Erkenntnissen, westliche Medizin dagegen auf wissenschaftlichen Methoden. In den letzten Jahrzehnten haben Erkenntnisse aus der Traditionellen Chinesischen Medizin auch Einzug in westliche Auffassungen gefunden. Auch in China wird nicht mehr nur nach chinesischen traditionellen Methoden behandelt. Eine gegenseitige Befruchtung hat dazu beigetragen, Verständnis zu fördern und Respekt und Anerkennung den jeweils anderen auf unterschiedlichen Grundlagen beruhenden Verfahren zu zollen.

 

Yin und Yang, Qi

Das Konzept Yin und Yang gründet sich auf beobachtbaren physikalischen Grundsätzen. Es bezeichnet die Gegensätzlichkeit, die in allen Phänomenen unseres täglichen Lebens vorhanden ist. Beispiele hierfür sind Tag und Nacht, heiß und kalt, groß und klein. Als universelle Kraft  wirkt das Qi zwischen Yin und YangQi fließt im menschlichen Körper durch Leitbahnen, die auch Meridiane genannt werden.Eine Definition betrachtet Qi  als Energie am Punkt der Materialisierung oder als Materie an der Grenzlinie zur Energie. Diese Kraft ist nach alter chinesischer Vorstellung Ursubstanz aller Prozesse des Universums. Alles im Universum besteht aus Qi, einer Materie. die alles Leben hervorbringt; sie wird daher auch als Lebenskraft oder Lebensenergie bezeichnet. Dabei ist eine exakte wissenschaftliche  Beschreibung bisher nicht gelungen. Qi ist eine Energie, die wir in unserem Leben benötigen. Wenn das Qi ungehindert im Körper fließen kann, ist das Leben im Gleichgewicht und Krankheit kann sich nicht einstellen. Die chinesische Medizin beschreibt ein System von Kanälen, durch das das Qi als erhaltende Lebenskraft fließt. Diese Kanäle werden Meridiane oder auch Leitbahnen genannt. Diese Leitbahnen, es werden 14 beschrieben, liegen einerseits im Inneren des Körpers und verbinden die inneren Organe miteinander. Sie verlaufen aber auch unter der Haut und sind durch Druck oder invasiv beeinflussbar. An bestimmten Stellen dieser Leitbahnen befinden sich sensible Punkte, die Akupunkturpunkte genannt werden. Durch Reizung (Nadelung oder Druck) kann damit der Fluss des Qi durch die Leitbahnen beeinflusst werden. Ist Qi in ausreichender Menge vorhanden, von guter Qualität und sind die Leitbahnen durchgängig, kann das Qi fließen und es können sich keine Krankheiten festsetzen.

Die Traditionelle Chinesische Medizin unterscheidet unterschiedliche Arten von Qi: Das vorgeburtliche Qi wird uns von unseren Eltern mitgegeben und in den Nieren gespeichert. Es ist im wesentlichen unveränderbar und ist in seiner Menge begrenzt. Dabei kann es zwar gepflegt aber nicht erneuert werden. Es regelt das menschliche Leben in Geburt, Wachstum, Altern und Tod. Ist es erschöpft oder verbraucht, stirbt der Mensch. Das nachgeburtliche Qi wird mit der Nahrung und der Atemluft aufgenommen. Es kann qualitativ beeinflusst werden. Beeinflussungsfaktoren sind die Qualität der Nahrung und der Luft,  Ruhe und Gelassenheit, Harmonie oder Stress, Bewegung und körperliche Belastungen. Vorgeburtliches und nachgeburtliches Qi können gepflegt werden, das nachgeburtliche Qi kann darüber hinaus weiterentwickelt werden.

Qi ist Ursprung aller Vorgänge im Menschen. Durch den ungehinderten Fluss des Qi werden alle Funktionen im Körper aufrecht erhalten: Organfunktionen, Steuerung der Hormone sowie der Fluss von Lymphe und Blut. Qi schützt vor negativen Einflüssen wie Wind, Kälte, Sommerhitze, Feuchtigkeit, Trockenheit und Feuer. Es ist für die Aufnahme von Vitalstoffen sowie für den Abbau von Abfallprodukten zuständig. Der freie Fluss von Qi kann auch gestört sein, so dass er stagniert, stockt, oder in die falsche Richtung fließt. Dies kann zu Gesundheitsstörungen führen. Wichtige Störfaktoren sind klimatische Faktoren wie Wind, Kälte und Hitze. Neben klimatischen gibt es weitere Störfaktoren in emotionellen und somatischen Bereichen wie Angst, Traurigkeit und Depressionen, Grübeln, Sorgen und Erregung, Bewegungsarmut, falsche Ernährung, geistige Erschöpfung, Suchtverhalten, Störungen des Lebensrhythmus, übermäßige sexuelle Aktivität und weitere. Eine Störung des Qi-Flusses kann sich typischerweise durch Gelenkbeschwerden wie Gliedersteifheit, Befindlichkeitsstörungen und Schmerzen äußern.

 

 

Behandlungsmethoden in der Traditionellen Chinesischen Medizin

Akupunktur / Akupressur

Eine der ältesten Behandlungsmethoden ist die Akupunktur. Seit über 3000 Jahren findet sie in der chinesischen Kultur Anwendung. Die Technik der Akupunktur ist beständig weiter entwickelt worden. Akupunkturnadeln werden an den Akupunkturpunkten gesetzt und damit der Qi-Fluss beeinflusst. Akupressur wird ähnlich angewandt, hierbei werden allerdings keine Nadeln eingesetzt, die Akupunkturpunkte werden durch drücken oder pressen manuell beeinflusst.

Moxibustion

Bei der Moxibustion werden kleine, brennende Kügelchen aus Kräutern (Beifußkegel) auf die Haut gelegt. Durch die Wärme werden die Akupunkturpunkte angeregt. Die Traditionelle Chinesische Medizin kennt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten der Moxibustion. Bei der direkten Moxibustion verursachen die brennenden oder glimmenden Kegel, je nach dem Zeitpunkt der Entfernung, Brandblasen auf der Haut, die beabsichtigt und Teil der Therapie sind. Die direkte Moxibustion ist sehr schmerzhaft und wird in Europa kaum angewandt, in China findet sie jedoch häufig Verwendung. Bei der indirekten Moxibustion, in westlichen Ländern eher angewandt, werden die brennenden Kügelchen durch Unterlegen von Blättern von der Haut isoliert. Auch hier stimuliert die Wärme die Akupunkturpunkte.

Kräutermedizin

In der Chinesischen Kräutermedizin werden vorwiegend Pflanzenteile wie Wurzeln, Rinden, Blüten und Blätter aber auch Mineralien und Tierprodukte verwendet. Ihre heilende Wirkung ist seit Jahrtausenden erwiesen. Dabei werden Pflanzenteile, Mineralien und weitere Substanzen miteinander kombiniert. Nicht die Menge spielt eine Rolle, sondern die auf individuelle Bedürfnisse abgestimmte Kombination von Ingredienzien. Jeder Patient erhält so ein individuell auf ihn und seine Krankheitssituation abgestimmtes Rezept.

 

Qigong- Übungen

Qigong-Übungen dienen der Pflege der Gesundheit und sind in China weit verbreitet. Sie werden von Millionen Chinesen täglich regelmäßig in den Morgenstunden auf öffentlichen Plätzen zur Förderung der Gesundheit geübt.

Man unterscheidet vier Formen: Bewegungsübungen, Atemübungen, Meditationsübungen und statische Übungen.

Am bekannteten sind Bewegungsübungen Sie werden auch in Kombination mit den anderen Formen ausgeführt. Sie beruhen häufig auf der Imitation natürlicher und anmutigen Bewegungsformen aus der Welt der Tiere. Dies wird auch in der Bezeichnung der Übungen deutlich, z. B. “fliege wie der Sagenvogel” oder”der weiße Storch lässt seine Knie kreisen”

Atemübungen sollen bestimmte Atmungwsgewohnheiten entwickeln, um damit den Qi-Fluss im Körper zu beeinflussen und zu fördern.

Meditationsübungen sollen den Übenden befähigen, sich auf einen ruhigen und harmonischen Qi-Fluss im Körper zu konzentrieren.

Statische Übungen wirken in der Regel einfach, sie sind es aber keineswegs. Sie sind sehr übungsintensiv, erfordern lange Übungszeiten bei hoher Konzentration und sind damit extrem fordernd. Sie werden im Sitzen, manchmal auch im Liegen ausgeführt.

In unserer westlich orientierten Welt haben aus dem Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin Qigong-Übungen weite Verbreitung gefunden. Sie werden weniger zur Behandlung von Krankheiten als zur Pflege und Erhaltung der Gesundheit eingesetzt.

In Volkshochschulen, Kur-Kliniken und weiteren Einrichtungen zur Gesundheitsförderung wird das Erlernen und Praktizieren von Qigong-Übungen angeboten. Auch bei den gesetzlichen Krankenkassen haben diese Angebote im Rahmen von Gesundheitsprävention Bedeutung erlangt, häufig werden sie finanziell bezuschusst.

 

Exkurs: Vorstellung eines typischen  Grundlagenkurses  Qigong-Übungen zur Pflege der Gesundheit:

Dieser Kurs vermittelt eine Einführung in die Übe-Praxis des Bewegungs-Qigong. Gleichzeitig bietet er einen Einblick in die Theorie der “Traditionellen Chinesischen Medizin”. Grundlage hierfür sind Übungen der “Vier-Regulations-Methoden” aus dem Methodenzyklus des Daoyin Yangsheng Gong von Pof.Zhang Guangde, Begründer des Daoyin Yangsheng Gong, University of Physical Education, Peking. Unter Anleitung erlernen Sie Schritt für Schritt einzelne Übungen dieses gesundheitsförderndes Qigong.
Langsame und fließende Bewegungen lockern und entspannen Muskeln und Gelenke. Mit hoher Konzentration ausgeführt dienen sie der Regulierung von Geist, Atmung und Körper. Sie helfen damit, zu innerer Ruhe, Ausgeglichenheit und positiver Körpereinstellung zu kommen. Diese Übungen aus dem Zyklus der “Vier-Regulations-Methoden” können auch gut von Menschen mit körperlichen bzw. motorischen Einschränkungen – ggf. in modifizierter Form – erlernt und geübt werden.
Das Üben von Qigong bedarf einer sorgfältigen Vor- und Nachbereitung. Damit Sie Ihre Qigong-Übungen gut beginnen und abschließen können, erlernen Sie zusätzlich einige Selbst-Massage und Klopf-Akupressur-Techniken.

Die hier von mir vermittelten “Vier-Regulations-Methoden” finden Sie in folgenden Youtube-Videoclips dargestellt:




Einige weitere Übungen aus meiner Reha-Praxis finden Sie hier: Qigong-Übungen in der Rehabilitation

 

 

Diese Einführung soll eine basisgebende Hilfestellung zum Erlernen von Qigong-Übungen sein Sie vermittelt lediglich einen ersten, kleinen und unvollständigen Einblick in die Welt des Qigong

 

Weiterführende Literatur:

Boelts, J.: Qigong-Heilung mit Energie, Freiburg 1996, 2009

Hildenbrand, G. u.a.: Qigong und China, Bonn 1998

Maciocia, G.: Die Grundlagen der chinesischen Medizin, Kötzting 1994

Williams, Tom: Was das Qi zum Fließen bringt: Grundlagen und Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin, Braunschweig 1996

Zhang, G.: Daoyin Yangsheng Gong, Beijing 1984